Der Hospitalhof - im Herzen Stuttgarts

Realisierungswettbewerb Hospitalhof, Stuttgart

Wettbewerbsbeitrag zur Ergänzung und Sanierung der Gesamtanlage Hospitalhof in Stuttgart - Das Herausbilden einer starken Identität mittels einer prägnanten Erscheinung ist primäres Ziel für die Neugestaltung des Hospitalhofs, dem Sitz der evangelischen Landeskirche in Stuttgart. Der neue Veranstaltungskomplex wie auch der bestehende Verwaltungsbau werden mit einer weißen Streckmetallfassade bekleidet. So wird der Neubau ins Gesamtensemble integriert und der Kontrast zur Hospitalkirche unterstrichen, die somit wieder an Präsenz gewinnt.

Identität schärfen

Der Hospitalhof als bedeutende Institution der evangelischen Kirche im Land und in Stuttgart ist als solche im öffentlichen Bewusstsein wenig präsent und stadträumlich kaum wahrnehmbar. Neben der niedrigen, wenig einladenden Erdgeschosszone liegt das nicht zuletzt am bestehenden Konglomerat unterschiedlichster Bauten mit mäßigem Repräsentationspotential. Das Herausbilden einer starken Identität, einer prägnanten Erscheinung ist daher primäres Ziel.
Alle neuen und alten Elemente des Ensembles werden zu einer starken architektonischen Einheit zusammengefasst. Ausnahme bildet die Hospitalkirche, die in ihrer Sonderstellung gestärkt wird. Die verbleibenden zwei Elemente bilden so in ihrer baulichen Ausbildung gleichzeitig die beiden inhaltlichen Pole des Hospitalhofs, das Sakrale und das Profane, deutlich ab. Die Homogenisierung des Verwaltungsbaus und der Veranstaltungsbereiche auf der einen Seite und die Kirche auf der anderen, führen zu einer Stärkung der Anlage als Gesamtkomplex und schärfen die Außenwahrnehmung.
Das neue Sockelgeschoss schafft durch seine großzügige Höhe einladende Transparenz und verstärkt den Bezug zwischen dem öffentlichen Raum, den Foyerzonen und dem dahinter liegenden Innenhof.
Eine angemessene Identität im öffentlichen Bewusstsein wird herausgebildet - ein Ort mit hohem Wiedererkennungspotential.

Das Herausbilden einer starken Identität, einer prägnanten Erscheinung ist primäres Ziel des Konzepts.

Einbindung und Öffnung

Der neue Hospitalhof wird über drei autarke sowie in ihrem Charakter und ihrer Funktion unterschiedliche Zugangssituationen erschlossen. Von der Büchsenstraße als wichtiger Verbindungsachse zwischen Stadtmitte und den kulturellen Einrichtungen um Liederhalle und Boschareal, vom Hospitalplatz als aufgewertetem Quartiersplatz und Kirchenvorplatz sowie von der Gymnasiumstraße.
Allen Zugängen gemeinsam ist die direkte Anbindung und Blickbeziehung zum zentralen Hofbereich. Die differenzierten Zugangssituationen ermöglichen eine getrennte Erschließung während parallel ablaufender Veranstaltungen. Während der Zugang von der Büchsenstraße in erster Linie den allgemeinen Veranstaltungsbereich erschließt, wird mit der neuen Zugangssituation zum Hospitalplatz der ehemalige Kircheneingang in seiner Funktion wiederbelebt. Hier entsteht ein großzügiges, helles Foyer als würdiger Zugang zur Hospitalkirche. Der Zugang von der Gymnasiumstraße erfolgt, ebenfalls mit direktem Bezug zum Hof auf Höhe des Straßenniveaus, wodurch der Eingang angemessen aufgewertet wird.
Ein umlaufendes transparentes Band im Sockelbereich stärkt den öffentlichen Charakter und macht den Hospitalhof als innerstädtisches Kleinod sichtbar – gleichzeitig wird der Fußweg in Verlängerung der Heustraße hierdurch deutlich aufgewertet.
Über eine großzügige Stufenanlage begibt sich der Besucher in das obere Volumen, das mit seiner Streckmetallfassade dezidiert gesetzte Öffnungen sowie die geschlossenen Wandbereiche aller Gebäudeteile zusammenfasst und gleichzeitig den Baukörper des Verwaltungsbaus in die Anlage integriert. 
Mit dem zentralen zum Innenhof orientierte Umgang wird das Bild des ehemaligen Kreuzgangs in die heutige Zeit übersetzt. Als zentraler Ort im Inneren der Anlage öffnet er sich über die den Veranstaltungssälen zugeordneten Foyerbereiche zum Stadtraum. Neben seiner Funktion als zentralem, alle Bereiche verbindenden Erschließungselement, bildet er gleichzeitig ein informelles Kommunikations- und Begegnungsforum für die unterschiedlichsten Nutzergruppen.

Die Integration des Neubaus ins Gesamtensemble stärkt den Kontrast zur Hospitalkirche, die damit wieder an Präsenz gewinnt.

Bestand und Neubau

Die Hospitalkirche wird durch die Vereinheitlichung der Anlage als markanter Solitär gestärkt und bildet nicht mehr nur ein Element in einem heterogenen Ensemble. Räumlich wird das zerstörte Kirchenschiff nicht rekonstruiert. An dessen Stelle ersetzt das neue Foyer den Raum. Insgesamt hält der neue Baukörper zu allen Seiten der bestehenden Kirche und den erhaltenen Fragmenten des Hauptschiffs einen angemessenen Respektabstand, der sich baulich als Glasfuge darstellt. Am großen Foyer nimmt die Fuge die Haupttreppe nach oben zum großen Saal auf, der Gartensaal wird über die Glasfuge zusätzlich mit diffusem Tageslicht versorgt und die erhaltene historische Wand im Inneren zum prägnanten Element.

Projektinformationen

Ort

Stuttgart, Deutschland

Projektstatus

Projekt

Auftraggeber

Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart

Team

Hadi Tandawardaja
Tobias Bochmann

Verfahrens-/Projektart

Begrenzt offener Realisierungswettbewerb

Leistungen

Vorentwurf

Bearbeitungszeitraum

2009