Kein Anlass zum Abreißen
Haus im Prozess , Ludwigsburg
Das Wohnhaus in Ludwigsburg ist ein herausragendes Beispiel für die gelungene Sanierung eines Einfamilienhauses aus den 1960er Jahren. Ziel war es, den Bestand energetisch, gestalterisch und funktional in die Gegenwart zu überführen – mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit, technologische Innovation und einen respektvollen Umgang mit der vorhandenen Substanz.
Ein Einfamilienhaus aus den 1960er Jahren.
Heute steht das Haus als neu gefasstes Ganzes im Straßenraum. Dunkel, ruhig, präzise. Die karbonisierte Holzfassade, die goldeloxierten Fensterlaibungen, die neue Dachfläche mit Indach-Photovoltaik und die klar gesetzten Einschnitte geben dem Bestand eine neue Lesbarkeit.
Was heute geschlossen wirkt, ist über Jahre gewachsen.
Über 12 Jahre lang hat SOMAA das Gebäude für eine vierköpfige Familie weiterentwickelt. Nicht als radikalen Neuanfang, sondern als fortlaufende Klärung. Der Bestand wird nicht überdeckt, sondern gelesen. Was trägt, darf bleiben. Was eng geworden ist, wird geöffnet. Was technisch überholt ist, wird erneuert. Was noch Potenzial hat, bekommt Zeit.
Die neue äußere Form steht deshalb nicht am Anfang der Geschichte. Sie ist das sichtbare Ergebnis eines Prozesses, der im Inneren begonnen hat und das Haus Schritt für Schritt in die Gegenwart führt.
Nachhaltigkeit ensteht nicht durch die Verwendung von Holz - Sie entsteht wenn wir unsere Umwelt aus dem Bedarf gestalten und dabei höchste Ansprüche an die Qualität setzen.
– SOMAA –
Die neue äußere Ruhe hat im Inneren einen hellen Gegenpol. Dort zeigt sich, dass die Transformation nicht bei der Hülle stehen bleibt. Das Haus ist nicht nur energetisch und materiell erneuert, sondern räumlich weitergedacht.
– SOMAA –
Die neue äußere Ruhe hat im Inneren einen hellen Gegenpol. Dort zeigt sich, dass die Transformation nicht bei der Hülle stehen bleibt. Das Haus ist nicht nur energetisch und materiell erneuert, sondern
räumlich weitergedacht. Außen Schutz, innen Licht. Außen eine dunkle, robuste Schicht. Innen helle Holzräume, weiche Übergänge, präzise gefügte Einbauten. Das Projekt lebt aus diesem Wechsel: aus der Kraft einer neuen äußeren Ordnung und der Offenheit eines Hauses, das im Inneren längst begonnen hatte, sich zu verändern.
Die neue Hülle ist nicht der Anfang der Transformation. Sie kommt später – und gerade deshalb hat sie besonderes Gewicht. Sie ist die Schicht, die das über Jahre Gewachsene zu einem Haus zusammenfasst.
Die hinterlüftete Fassade aus karbonisiertem Holz nimmt die Logik von Yakisugi auf: Feuer als Schutz, als Tiefe, als Fähigkeit zu altern.
Zur Straße steht das Haus nun dunkel, ruhig, fast spröde. Balkon und Terrasse schneiden helle Innenflächen aus Weißtanne in die schwarze Haut. Goldeloxierte Fensterlaibungen und eine Eingangstür aus Messing setzen Akzente, die nicht notwendig wären – und gerade deshalb wichtig sind.
Sie zeigen eine Lust am Material, aber keine Lust an der Übertreibung. Das Haus darf Spuren aufnehmen. Es darf altern. Es muss nicht glatt bleiben, um würdevoll zu sein.
Das Haus steht in einem gewachsenen Wohngebiet. Straße, Garten, Dach und Nachbarschaft bilden den Rahmen einer Transformation, die nicht nach einem neuen Objekt sucht, sondern nach einer neuen Lesbarkeit des Vorhandenen.
Die Architektur legt sich nicht als fremdes Bild über das Alte. Sie arbeitet mit dem, was da ist: mit Tragfähigkeit, Nutzung, Erinnerung, Schwächen und Möglichkeiten. Man sieht dem Haus heute an, dass es verändert wurde. Aber man sieht auch, dass diese Veränderung nicht gegen den Bestand arbeitet.
So entsteht kein Bruch, sondern eine zweite Gegenwart des Hauses. Der Bestand bleibt lesbar, aber er wird nicht konserviert. Er wird weitergeschrieben.
Ein Haus wird nicht ersetzt, wenn es noch Antworten geben kann.
– SOMAA –
Die Gegenüberstellung von Bestand und heutigem Zustand macht sichtbar, dass dieses Projekt kein Ersatz ist. Die bestehende Struktur verschwindet nicht. Sie erhält eine zweite Lesart.
Das Haus wird nicht neu erfunden, sondern weitergeschrieben. Die Veränderung liegt nicht im Verschwinden des Alten, sondern in seiner neuen Präzision. Aus einem robusten, vertrauten Bestand entsteht ein Haus, das seine Herkunft nicht verleugnet und dennoch eindeutig in der Gegenwart steht.
Ein Haus zu bauen ist kein Ziel –
sondern eine Möglichkeit, sich über die eigenen Ziele klar zu werden.
– SOMAA –
Die neue Hülle ist nicht der Anfang der Transformation. Sie kommt später – und gerade deshalb hat sie besonderes Gewicht. Sie ist die Schicht, die das über Jahre Gewachsene zu einem Haus zusammenfasst.
Die hinterlüftete Fassade aus karbonisiertem Holz nimmt die Logik von Yakisugi auf: Feuer als Schutz, als Tiefe, als Fähigkeit zu altern. Zur Straße steht das Haus nun dunkel, ruhig, fast spröde. Balkon und Terrasse schneiden helle Innenflächen aus Weißtanne in die schwarze Haut. Goldeloxierte Fensterlaibungen und eine Eingangstür aus Messing setzen Akzente, die nicht notwendig wären – und gerade deshalb wichtig sind.
Sie zeigen eine Lust am Material, aber keine Lust an der Übertreibung. Das Haus darf Spuren aufnehmen. Es darf altern. Es muss nicht glatt bleiben, um würdevoll zu sein.
Die neue Hülle ist keine erste Geste. Sie ist die Schicht, die aus vielen Etappen ein Haus macht.
Das zeigt sich besonders im Garten. Er wird geordnet, weitergedacht, später ergänzt. Der Pool ist dabei kein beiläufiges Versprechen von Luxus, sondern Teil jener Abwägung, die das gesamte Projekt prägt. Ein Naturpool wird ergänzt – kein Symbol des Überflusses, sondern Ausdruck einer Lebensqualität, die ihre Widersprüche kennt.
Nachhaltigkeit erscheint hier nicht als reine Verzichtserzählung. Sie liegt im Weiterbauen des Vorhandenen, in der Nutzung unerschlossener Flächen und in der energetischen Erneuerung: Holzfaserdämmung, gedämmtes Steildach, Dreifachverglasung, Luft-Wasser-Wärmepumpe und Indach-Photovoltaik führen das Gebäude zum KfW-Effizienzhaus 55 EE.
Der eigentliche Prozess begann Jahre zuvor im Inneren. Nicht mit einem Bild, sondern mit dem Gebrauch. Mit alltäglichen Wegen, Blicken, Gewohnheiten, mit Räumen, die funktionieren müssen, bevor sie wirken.
In den unteren Geschossen wurden Bezüge neu gesetzt, Öffnungen verändert, Fenster ersetzt, Wohnbereiche geklärt. Der Umbau suchte nicht den großen Effekt, sondern die richtige Verschiebung. Er fragte nicht zuerst, wie das Haus später erscheinen soll, sondern was es in diesem Moment braucht.
So entsteht ein Haus nicht auf einmal, sondern in Etappen. Jede Maßnahme prüft erneut, was der Bestand braucht – und was die Bewohner brauchen. Diese Langsamkeit ist keine Schwäche des Projekts. Sie ist seine Methode. Architektur entsteht hier nicht als einmalige Behauptung, sondern als Gespräch über Zeit.
Die frühen Innenräume sind deshalb nicht Vorgeschichte. Sie sind der Anfang der Haltung, die später auch Fassade, Dach, Energie und Garten bestimmt.
Das Dach war keine Reservefläche mehr, sondern ein Raum, der auf seine Zeit gewartet hatte.
– SOMAA –
Das Licht fällt weich auf das Holz, wird aufgenommen, reflektiert, gedämpft. Der Raum bleibt hell, aber nie hart. Er wirkt reduziert, ohne leer zu sein. Warm, ohne rustikal zu werden. Leise, aber nicht beiläufig.
Was im Dachgeschoss selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis genauer Entscheidungen. Die Weißtanne bündelt Raum, Stauraum und Atmosphäre. Türen liegen flächenbündig in der Verkleidung, Einbauten treten zurück, Anschlüsse werden nicht betont, sondern präzise geführt.
Die Reduktion ist dabei kein Stilmittel, das dem Raum etwas nimmt. Sie schafft Ruhe, damit Material, Licht und Gebrauch überhaupt wirken können. Der Raum braucht keine laute Geste. Seine Qualität liegt in der Genauigkeit.
Das Dach war lange eine stille Reserve. Ein Raum, der zum Haus gehörte, aber noch nicht wirklich zum Wohnen. In einer späteren Etappe wird daraus ein vollwertiger Rückzugsbereich. Das Dach wird konstruktiv neu aufgebaut, der Kniestock erhöht, die neue Holzbaukonstruktion mit dem massiven Bestand verbunden. Zusätzlicher Wohnraum entsteht, ohne neue Fläche zu versiegeln.
Damit wird der Bestand nicht nur energetisch und gestalterisch erneuert, sondern auch räumlich erweitert – nicht durch mehr Grundstück, sondern durch genaueres Lesen des vorhandenen Volumens.
Innen zeigt sich die stärkste Gegenbewegung zur dunklen äußeren Hülle: astfreie Weißtanne, hell, ruhig, präzise gefügt. Wände, Decken, Türen und Einbauten bilden keine dekorative Schicht, sondern einen zusammenhängenden Raumkörper. Stauraum verschwindet in Flächen. Eine Sitznische wird zum Zentrum. Die Dachschrägen verlieren ihre Zufälligkeit und werden Teil einer klaren Ordnung.
Der Dachraum wirkt dadurch nicht wie ein nachträglicher Ausbau, sondern wie ein eigener Teil des Hauses. Er nimmt die Schwere des Bestands auf und antwortet mit Leichtigkeit.
„Reduktion ist kein Verzicht, sondern die bewusste Konzentration auf das Wesentliche.“
– Hadi A. Tandawardaja –
Das Licht fällt weich auf das Holz, wird aufgenommen, reflektiert, gedämpft. Der Raum bleibt hell, aber nie hart. Er wirkt reduziert, ohne leer zu sein. Warm, ohne rustikal zu werden. Leise, aber nicht beiläufig.
Was im Dachgeschoss selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis genauer Entscheidungen. Die Weißtanne bündelt Raum, Stauraum und Atmosphäre. Türen liegen flächenbündig in der Verkleidung, Einbauten treten zurück, Anschlüsse werden nicht betont, sondern präzise geführt.
Die Reduktion ist dabei kein Stilmittel, das dem Raum etwas nimmt. Sie schafft Ruhe, damit Material, Licht und Gebrauch überhaupt wirken können. Der Raum braucht keine laute Geste. Seine Qualität liegt in der Genauigkeit.
Projektinformationen
Ort
Ludwigsburg, Deutschland
Projektstatus
abgeschlossen
Auftraggeber
privat
Team
Hadi Tandawardaja
Fotografie
Verfahrens-/Projektart
Direktbeauftragung
Leistungen
LP 1-9
Bearbeitungszeitraum
2021 – 2025
Auszeichungen
Nominierung für Best of Interior 2026